Der Windhund und das Kamel

Unser Team Mathias Welz und Björn Weier wagen sich an den Transalpine Run.

Wir begleiten die beiden in der Vorbereitung und beim Tag X.

 

1. Teil

 

Der Windhund und das Kamel

von Björn Weier

 

Puh, dieser orkanartige Gegenwind drückt wirklich ganz schön gegen meinen Astralkörper. Habe förmlich den Eindruck, dass ich beim Laufen stehe. Aber ich kämpfe, schließlich muss ich die Pace halten. Würde ich alleine laufen, wäre mir das vermutlich ziemlich egal, da würde ich einfach Tempo rausnehmen, aber so. Der Windhund trabt locker neben mir her und schert sich nicht um die äußeren Bedingungen. Warum auch? Das 60kg-Körperchen bietet dem Wind kaum Angriffsfläche und so habe ich den Eindruck, dass nur ich zu kämpfen habe. „Die Pace halten, keine Schwäche zeigen“ rede ich mir gedanklich gut zu. Was habe ich mir da nur eingebrockt?

 

Der Windhund ist übrigens mein Laufkollege Mathias. Wir kennen uns gut, mögen uns. Im Leichtathletikverein sind wir in der gleichen Trainingsgruppe, auch wenn unsere läuferischen Fähigkeiten unterschiedlich sind. Leider zu meinen Ungunsten, aber das ist eigentlich kein Problem für mich. Meine Bedenken rühren allerdings aus einer konkreten Tatsache. Wir sind beide für den 13. GORE-TEX Transalpine-Run im September angemeldet. Bei diesem Event werden die Alpen in sieben Etappen überquert. Es geht durch vier Länder über insgesamt 264,6 Kilometer und es wollen 15957 positive und 14610 negative Höhenmeter überwunden werden. Für mich als Langstrecken-Diesel eine schöne Herausforderung, die ich mir durchaus zutraue. Der Haken an der Sache – die Protagonisten beim Transalpine Run starten in Zweierteams und müssen die Strecke gemeinsam absolvieren. Mein Team wird die Startnummer 117 tragen. Mein Team, das sind der Windhund und ich.

 

Dies ist nun unsere erste gemeinsame Trainingseinheit in der langen Vorbereitunsphase. „Ein lockerer 15er“ war der Plan. Nur leider lässt sich der Begriff „locker“ beim Laufen doch recht unterschiedlich definieren. Für Mathias sind 4:30min pro Kilometer extrem locker, egal ob ein Orkan fegt oder es kernig aufwärts geht. Ich bin läuferisch eher ein Kamel. Lang und weit geht gut, Wasser brauch ich wenig, aber Tempo ist so eine Sache. Bei 4:30er Pace komme ich schon etwas mehr ins Röcheln, schleppe schließlich auch rund 20kg mehr Körper mit mir herum. Das sind umgerechnet immerhin rund zwei Kisten Bier…

Knapp 8 Monate Zeit bleiben, um uns aufeinander einzuspielen. Aber wird uns das gelingen? Im Prinzip wissen wir natürlich, worauf wir uns da einlassen. Die verschiedenen Tagesetappen haben es alle in sich und werden für uns beide zur Herausforderungen werden. Selbst die „Babyetappe“ am zweiten Tag ist mit 24,7 km Länge, vielen Höhenmetern und den ständig drohenden Zeitlimits an den Kontrollpunkten, nicht von Pappe. Unser erklärtes Ziel ist es daher, „einfach“ nur anzukommen. Oder doch nicht? Ich habe noch Mathias Worte nach unserer Anmeldung im Ohr „Ja, aber so ganz hinten landen wollen wir jetzt auch nicht, oder? Da sorge ich schon für…“  Da war es schon zu spät für einen Rückzieher gewesen…

 

Vor allem Mathias muss sich gedanklich umstellen. Er ist es gewohnt, bei Volksläufen um vordere Platzierungen zu kämpfen. Nun werde ich vermutlich das begrenzende Element für ihn sein. Andererseits habe ich schon diverse Ultra- und Etappenläufe absolviert.

 

Während wir weiterlaufen stelle ich mir vor, wie ein ausgemergelter Windhund nach ein paar anstrengenden Tagen bedröppelt über die Alpen streunt. Daneben trabt ein 80kg- Modellathlet locker im Fettverbrennungsmodus.